Sitzschulung bei Sibylle Wiemer


Vor lauter Umzug-Stress habe ich ganz vergessen von einer der besten Reitstunden zu berichten, die ich je hatte: Sitzschulung bei Sibylle Wiemer. Im Rahmen einer Trainer-Fortbildung hatte ich das Vergnügen zwei Tage lang bei ihr lernen zu dürfen.

Sibylle verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, ihr sind Pferde wie Reiter wichtig. Sie hat diverse Trainerscheine, was mich aber vor allem neugierig gemacht hat war ihre Arbeit mit Eckart Meyers.

Ich habe als Kind in den 80/90ern angefangen zu reiten und als ich dann später als Erwachsener wieder aufs Pferd gestiegen bin, war ich erst mal erleichtert: ok, ist doch wie Fahrradfahren, nicht viel verlernt, alles passt.
Je länger ich mich dann aber mit den neuen Erkenntnissen der Reiterei (egal ob Western oder Englisch) beschäftigt habe, desto erschreckender war die Erkenntnis: sehr viel mehr als mich auf dem Pferd einigermassen zu halten haben mir meine Lehrer damals nicht beigebracht. Bald habe ich erkannt, dass viele meiner Probleme zwei Ursachen haben: mein Sitz und meine Angst vom Pferd zu fallen.

Mit Sibylle Wiemer habe ich jemanden gefunden, der sich mit beidem gut auskennt. Also habe ich mich bei der Trainerfortbildung als „Testkandidat“ gemeldet. Jetzt müsst ihr wissen, dass wir uns bei diesen Fortbildungen alle mehr oder weniger kennen und schätzen. Trotzdem geht es ja auch um den Austausch, man wird also nicht nur von Mike oder in diesem Fall Sibylle beurteilt, sondern mehr oder weniger von allen und das nicht so, dass man es nicht mitbekommt, sondern höchst öffentlich.
Egal, dachte ich mir, wird mich schon nicht umbringen. Hat es auch nicht, obwohl ich in manchen Momenten kurz davor war abzusteigen …

Es ging ganz entspannt los, nämlich am Boden: aufwärmen! Jeder Sportler wärmt sich auf, nur Reiter tun das nie! Bei Sibylle muss man sich erst mal aufwärmen: Hopserlauf, Arme kreisen, am zweiten Tag haben wir morgens sogar Bauchtanz gemacht! Es war sehr ungewohnt aber Ihr könnt Euch vorstellen: aufgewärmt sitzt es sich gleich viel geschmeidiger auf dem Pferd.
Die Aufwärmphase fürs Pferd (mind. 15 Minuten Schritt) wird dann für weitere Übungen im Sattel genutzt: Beine ohne Steigbügel vor und zurück schwingen, wieder Arme kreisen (Handgelenk, Ellenbogen und Schultergelenk), Oberkörper drehen etc. zur Sicherheit kann ein Helfer mitlaufen und das Pferd führen. Der Effekt war phänomenal, wir alle saßen wach und geschmeidig auf den Pferden.
Und dann ging es richtig los: egal ob mit speziellen Übungen, Hilfsmitteln oder sehr klaren Bildern wurde jeder von uns einzeln solange korrigiert und angefeuert, bis wir alle eine deutliche Verbesserung in den Bewegungen des Pferdes feststellen können.
Dabei mussten wir immer wieder absteigen und spezielle Übungen am Boden machen, bekamen Bälle unter Oberschenkel, Hintern oder Knie geschoben, ich wurde aufgefordert mich auf das Pferd zu setzen wie „der Penner vorm Karstadt“. Der Effekt war verblüffend: Ich saß auf einmal gerade auf dem Pferd (vorher hatte ich immer ein Hohlkreuz gemacht, was meine Hüfte total blockiert hatte). So konnte ich also viel besser mit der Hüfte mitschwingen, und mein Pony lief auf einmal frei und zügig durch die Bahn.

Seitdem sitze ich wie der „Penner vorm Karstadt“ auf dem Pferd, wärme mich immer öfter auf (manchmal vergesse ich es noch) und mache Übungen um mich geschmeidig zu halten. Der Effekt: ein besser laufendes Pferd und ein enormer Fortschritt für mich als Reiterin. Danke Sibylle!

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